Arzneimittel in der Schwangerschaft

Hannover, 17. Dezember 2019 – Die Schwangerschaft ist für Frauen eine sehr aufregende Zeit! Wenn die werdende Mutter allerdings erkrankt und die Einnahme von Medikamenten für die Behandlung notwendig ist, suchen viele in der Apotheke Rat.

„Werdende Mütter sind in solchen Situationen meist verunsichert und haben viele Fragen – gerade jetzt in der Erkältungszeit“, sagt Ina Bartels, Inhaberin der Johannes-Apotheke in Hannover. „Sie wollen wissen, welche Arzneimittel in ihrer Situation erlaubt sind und was sie bei der Einnahme beachten müssen. Sie sorgen sich, dass eine fehlerhafte Einnahme die Gesundheit ihres Kindes gefährden könnte. Wir versuchen ihnen diese Unsicherheiten zu nehmen, indem wir ihnen bei allen Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt und Säuglingspflege mit unserem fachkundigen Rat zur Seite stehen.“

Bei Erkältungen muss eine Schwangere nicht leiden. Bekommt die werdende Mutter bei Schnupfen schlecht Luft und kann nachts nicht schlafen, kann sie auf ein abschwellendes Nasenspray zurückgreifen und dies für ein paar Tage anwenden. Bei Husten ist zu beachten, dass Schwangere auf Arzneimittel, die Alkohol enthalten, komplett verzichten sollten. Daher sollte unbedingt auf Hustensäfte ohne Alkohol zu rückgegriffen werden. Bei schleimigem Husten können chemisch-synthetische Arzneistoffe wie ACC, Ambroxol und Bromhexin für Schwangere gute Alternativen sein. „Trockener Reizhusten lässt sich gut auf pflanzlicher Basis mit Eibisch- oder Thymianpräparaten stillen. Diese gibt es zum Beispiel als Tee oder Lutschpastillen. Auch für Halsweh gibt es viele unbedenkliche Präparate. Bei hohem Fieber helfen Wadenwickel und im Ernstfall auch Paracetamol nach Rücksprache mit dem Arzt,“ erläutert sagt Ina Bartels, Vorsitzende des Bezirks Hannover-Stadt beim Landesapothekerverband Niedersachsen e.V.

Generell gilt jedoch: Während der Schwangerschaft sollten Arzneimittel nur angewendet werden, wenn es unbedingt erforderlich ist. „Bei leichteren Beschwerden sollte immer erst überlegt werden, ob der Griff zur Tablette unbedingt nötig ist“, sagt Apothekerin Ina Bartels. „Bei Kopfschmerzen kann zum Beispiel oft ein Spaziergang an der frischen Luft das Schmerzmittel ersetzen, leichtere Fälle von Verstopfung können mit ballaststoffreicher Ernährung angegangen werden.“

Klagen Schwangere über leichte bis mittelstarke Schmerzen und die Einnahme eines Schmerzmittels ist auch nach Rücksprache mit dem Arzt erforderlich, kann in den ersten zwei Dritteln der Schwangerschaft auf Ibuprofen zurückgegriffen werden. Ab der 28. Schwangerschaftswoche dürfen sie Ibuprofen und andere nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac nicht mehr einnehmen, da es zu einem vorzeitigen Verschluss eines wichtigen Verbindungsgefäßes zwischen Aorta und Lungenschlagader beim ungeborenen Kind kommen kann. Paracetamol bietet unter Beachtung der Einnahmehinweise in dem Fall eine Alternative.

Bei schweren oder auch chronischen Erkrankungen können Schwangere allerdings nicht gänzlich auf Medikamente verzichten. „Das gilt zum Beispiel für Patientinnen mit hohem Blutdruck oder Diabetes, die dauerhaft Medikamente nehmen müssen. Diese dürfen ihre Medikamente nicht einfach absetzen. Das kann sehr gefährlich werden“, sagt Ina Bartels. In diesen Fällen ist eine Rücksprache mit dem Arzt unbedingt erforderlich.

Doch auch wenn Vorsicht geboten ist, lautet die gute Nachricht für chronisch kranke Frauen mit Kinderwunsch, dass es bei sehr vielen schweren und chronischen Erkrankungen meistens eine Alternative gibt, die relativ gefahrlos für Mutter und Kind ist. Bei Unsicherheiten und Fragen zur Einnahme von Medikamenten während der Schwangerschaft ist in jedem Fall die Rücksprache mit dem Arzt sowie mit der Apotheke sinnvoll.

Für schwangere Versicherte der AOK Niedersachsen bieten viele Apotheken außerdem eine besondere Beratung zu Arzneimitteln und Ernährung in der Schwangerschaft durch eine Apothekerin oder einem Apotheker an. Die Kosten für diese Beratung übernimmt die AOK Niedersachsen. Interessierte AOK-Patientinnen können sich bei der AOK Niedersachsen über das besondere Beratungsangebot informieren und einen Gutschein für die Inanspruchnahme dieser Beratung anfordern. Eine teilnehmende Apotheke ist dazu an einem Türaufkleber zu erkennen, der auf das besondere Angebot für werdende Mütter hinweist. Auch können schwangere AOK-Versicherte einfach in der Stammapotheke nach dieser besonderen Beratung fragen.