2. Stellenwert der Unabhängigkeit und Gemeinwohlverpflichtung des freien Apothekerberufs

Aus unserer Sicht gewährleistet die Arzneimittelversorgung durch Apotheker, die als freier Beruf organisiert sind und handeln, eine optimale Versorgung kranker Menschen. Die freiberuflich organisierte Arzneimittelversorgung schützt Patienten vor rein wirtschaftlichen Interessen Dritter und dient damit der bestmöglichen Versorgung in Europa. Eine wirtschaftlich unabhängige Arzneimittelversorgung stärkt das Vertrauen der Bevölkerung.

Inwieweit werden Sie und Ihre Partei sich auf EU-Ebene einsetzen, um die freiberuflich organisierte und unabhängig durchgeführte pharmazeutische Versorgung zu unterstützen?

Tiemo Wölken, SPD: Insgesamt gibt es viele Gesetze zu Berufsqualifikationen und Regelungen zu freien Berufen – die gegenseitige Anerkennung der Heilberufe ist beispielsweise bereits europäisch geregelt. Die freien Berufe sind eine Stütze unseres Gesellschaftssystems. In der EU müssen wir dafür sorgen, dass wir ihren Bestand gewährleisten und ihnen einen gewissen Grundschutz geben, der aber natürlich die Niederlassungsfreiheit als Grundwert des Binnenmarktes nicht beeinträchtigen darf. Ich halte es weiterhin für sehr wichtig, die freien Berufe besser in den europäischen Gesetzgebungsprozess zu integrieren. Hier gilt es beispielsweise, die Konsultationsverfahren der Europäischen Kommission zu vereinfachen und so zu gestalten, dass sie Freiberuflern zugänglicher werden. Als Abgeordneter habe ich natürlich auch weiterhin ein offenes Ohr für die Ideen und Probleme der Betroffenen.

David McAllister, CDU: Die freiberuflich organisierte Arzneimittelversorgung hat sich in Deutschland bewährt. Sie ist Teil des Erfolgsrezepts unseres Gesundheitssystems. Die freien Berufe in dieser Form unterstützen wir weiterhin, um sie vor ausschließlich ökonomischen Interessen Dritter zu schützen. In deutschen Apotheken stehen die Beratung und Hilfestellung der Patienten und nicht der Verdienst am Kunden im Vordergrund. Die Freiheit dieser Berufe ist für uns enorm wichtig.

Katrin Langensiepen, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Die Gewährleistung einer qualitativ hochwertigen und bedarfsgerechten Arzneimittelversorgung sowohl in allen Regionen als auch für alle Bevölkerungs- und Patientengruppen ist aus unserer Sicht eine der zentralen Aufgaben der Gesundheitspolitik. Wir verstehen Freiberuflichkeit vor allem so, dass Apotheker*innen ihre pharmazeutischen Fähigkeiten unabhängig von falschen ökonomischen Anreizen in den Dienst der Patientinnen und Patienten stellen können und dabei auch eine Verpflichtung gegenüber dem Gemeinwohl haben.

Jan-Christoph Oetjen, FDP: Uns ist die pharmazeutische Versorgung in der Fläche wichtig. Ein schneller Zugang zu Arzneimitteln mit einer kompetenten Beratung ist für eine gute Behandlung von Erkrankungen von großer Bedeutung. Wir setzen uns für faire Rahmenbedingungen zwischen inländischen Apotheken und in- und ausländischen Versandapotheken ein und möchten die inhabergeführten Apotheken in Deutschland stärken. Ein pauschales Versandhandelsverbot von rezeptpflichtigen Arzneimitteln lehnen wir ab, denn jede Patientin und jeder Patient sollte die Wahlfreiheit haben, von wem er sein rezeptpflichtiges Arzneimittel bezieht. Wir halten ein differenziertes Angebot für zwingend erforderlich, welches einerseits Patientinnen und Patienten die Nutzung digitaler Angebote ermöglicht, andererseits die durch die in- und ausländischen Apotheken bisher sehr gut gewährleistete Versorgungsqualität sicherstellt. Insgesamt werden wir auf EU-Ebene darauf achten, dass die hohe Versorgungsqualität der pharmazeutischen Versorgung erhalten bleibt.

Susanne Steffgen, DIE LINKE: DIE LINKE hat sich immer für die Präsenz-Apotheke und für die Stärkung des Apothekerberufs als Heilberuf stark gemacht. Wir wollen der Ökonomisierung, die mit dem drohenden Preiskampf, aber auch mit dem Fremd- und Mehrbesitz einhergeht, eine patientenorientierte und auf Qualität setzende Versorgung entgegenstellen. Rosinenpickerei darf es nicht geben, wenn es um die Erfüllung des gesetzlichen Versorgungsauftrags geht. Nach wie vor halten wir das Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln für die einzig richtige Reaktion auf das EuGH-Urteil von 2016. Dabei geht es nicht nur um den Schutz der Vor-Ort-Versorgung in Deutschland, sondern vor allem auch um Versorgungsqualität und Arzneimittelsicherheit.