LAV: Krankenkassen sollen Zuzahlungen von Versicherten selbst eintreiben – Apotheken aus ihrer „Inkasso-Funktion“ befreien

Hannover, 5. Oktober 2026 – Mit Blick auf die für 2027 geplante Erhöhung der Zuzahlungen für verschreibungspflichtige Arzneimittel fordert der Landesapothekerverband Niedersachsen e.V. (LAV) die Bundesregierung auf, die Apotheken unverzüglich von ihrer Rolle als „Inkassostelle“ der Krankenkassen zu befreien. Künftig sollen die Krankenkassen die Zuzahlungen selbst von ihren Versicherten einziehen, fordert der LAV. 

Die Apotheken sind derzeit noch gesetzlich verpflichtet, die Selbstbeteiligung der Patientinnen und Patienten für Arzneimittel im Auftrag der Krankenkassen einzuziehen. Diese Leistung wird den Apotheken nicht vergütet. Die Transaktionskosten bei Kartenzahlungen und die Kosten bei Zahlungsausfällen müssen Apotheken selbst tragen. 

„Es kann nicht sein, dass Apotheken immer noch Aufgaben der Krankenkassen übernehmen, dafür keinen Cent erhalten und zugleich das volle Risiko tragen müssen“, kritisiert Berend Groeneveld, Vorstandsvorsitzender des LAV. „Wir sehen deshalb die Krankenkassen in der Pflicht, die Zuzahlungen direkt bei ihren Versicherten einzuziehen statt über die Apotheken, so wie es bei Krankenhauszuzahlungen schon lange gemacht wird“, fordert der LAV-Vorstandsvorsitzende. 

Dass die Zuzahlungen auch direkt von den Krankenkassen einbezogen werden können, ist aus Sicht des LAV keine Frage fehlender Möglichkeiten: „Die möglichen Wege, wie Krankenkassen Zuzahlungen direkt von ihren Versicherten einbeziehen könnten, sind bekannt – sowohl bei den Krankenkassen als auch bei der Politik. Die Apotheken müssen aus ihrer „Inkasso-Funktion“ befreit werden – und zwar sofort!“, betont Groeneveld. 

Der Wegfall dieser Aufgabe entlastet die Apotheken und verschafft ihnen mehr Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben: die pharmazeutische Betreuung ihrer Patientinnen und Patienten sowie die Einführung neuer Dienstleistungen, die der Gesetzgeber für Apotheken vorsieht. „Davon werden vor allem die Patientinnen und Patienten profitieren“, unterstreicht der LAV-Vorstandsvorsitzende.

Der LAV lehnt höhere Zuzahlungen für Arzneimittel grundsätzlich ab. „Höhere Zuzahlungen führen dazu, dass sich manche Patientinnen und Patienten notwendige Medikamente nicht mehr leisten können. Therapieabbrüche und verschleppte Erkrankungen werden die Folge sein – und am Ende sogar höhere Kosten für das Gesundheitssystem verursachen. Eine gute Gesundheitsversorgung muss für jede und jeden erreichbar sein – und das unabhängig vom Einkommen“, fordert Groeneveld.